Security 51 Review

Veröffentlichung: 12. August 2026

 

Entwickler: Alawar
Plattformen: Windows-PC und macOS über Steam
Genres: Adventure, Indie-Spiel, Simulationsspiel
Herausgeber: Alawar

 

STEMPEL DRAUF, GEHEIMAKTE ZU

Wenn Mulder und Scully irgendwann keine Lust mehr auf Außendienst haben, wartet in *Security 51* vermutlich schon ein Schreibtisch auf sie. Der steht allerdings nicht in einem gemütlichen FBI-Büro, sondern an einem Aufzug tief unter der Area 51. Hinter den Türen liegen geheime Labore, Anomalien und Experimente, über die ein einfacher Sicherheitsbeamter besser keine Fragen stellt.

 

Genau diese undankbare Position übernehmen wir im neuen Spiel von Alawar. Beschäftigte zeigen Ausweise und Sicherheitsfreigaben vor, wir vergleichen Namen, Nummern und Fotos und entscheiden, wer passieren darf. Schon bald reicht ein Blick auf die Papiere jedoch nicht mehr aus. Einige Besucher verbergen körperliche Veränderungen, andere könnten infiziert, feindliche Spione oder schlicht nicht mehr ganz menschlich sein.

 

*Security 51* erschien am 12. August 2026 für Windows und macOS. Das Einzelspieler-Abenteuer verbindet eine Kontrollposten-Simulation im Stil von *Papers, Please* mit der Paranoia von SCP-Geschichten, einer detaillierten Pixeloptik und einer ordentlichen Portion schwarzem Humor. 

 

Die große Frage lautet deshalb: Bleibt der Dienst am Aufzug auch nach vielen überprüften Ausweisen spannend – oder wird aus der Geheimakte irgendwann nur noch gewöhnliche Ablagearbeit?

HEUTE NUR MENSCHEN MIT GÜLTIGEM STEMPEL

Jede Schicht beginnt mit neuen Anweisungen. Mal müssen lediglich Name, Kennnummer, Foto und Sicherheitsstufe übereinstimmen. An anderen Tagen gelten besondere Freigabezeiten, medizinische Nachweise oder Ausnahmen für bestimmte Beschäftigte. Auch die Zahl der Personen im Aufzug spielt eine Rolle: Wer hinunterfährt, sollte später schließlich in passender Zahl wieder auftauchen. Zumindest wäre das in einer normalen Behörde so.

 

Die Besucher werden zufällig zusammengestellt. Wir ziehen ihre Unterlagen auf den Schreibtisch, gleichen die Angaben ab und erteilen oder verweigern den Zugang. Bei ernsteren Auffälligkeiten rufen wir den Sicherheitsdienst, ordnen eine Isolation an oder greifen zu noch endgültigeren Maßnahmen. Fehler kosten Geld und geistige Stabilität; am Schichtende zeigt ein Bericht, welche Entscheidung falsch war.

 

Der grundsätzliche Ablauf ist schnell verstanden und besitzt einen angenehmen Arbeitsrhythmus. Gerade weil die Schichten kompakt bleiben, entsteht leicht das bekannte „Nur noch ein Tag“-Gefühl. Gleichzeitig verlangt der begrenzte Platz auf dem Schreibtisch etwas Ordnung. Handbuch, Zeitung, Ausweise und Prüfgeräte wollen so sortiert werden, dass aus dem Kontrollpunkt kein streng geheimes Papierchaos wird.

 

Seit dem großen Update vom 20. August lässt sich das gesamte Spiel auf Wunsch allein mit der Maus bedienen; die Tastatur bleibt parallel unterstützt. Laut offiziellem FAQ ist auch ein kompletter Durchlauf per Gamepad möglich, wobei der Cursor derzeit mit dem Stick bewegt wird.

DER AUSWEIS IST ECHT. DER MENSCH VIELLEICHT NICHT.

Natürlich bleibt es in der Area 51 nicht bei Passbildern und Stempeln. Nach und nach kommen Fingerabdruckprüfung, Temperaturmessung, Röntgen- und Organscans, Kameras für kaum sichtbare Störungen, UV-Licht, psychologische Tests sowie Blutproben hinzu. Spätestens wenn ein Besucher auf dem Papier völlig unauffällig wirkt, im Röntgenbild aber verdächtig viele Knochen mitbringt, reichen korrekte Unterlagen nicht mehr aus.

 

Die wechselnden Werkzeuge sind die wichtigste Quelle der Abwechslung. *Security 51* stapelt nicht jeden Tag sämtliche Regeln aufeinander, sondern kombiniert meist nur einige Prüfungen neu. Dadurch bleibt der Ablauf zugänglicher als bei besonders strengen Genrevertretern. Das Spiel möchte unsere Aufmerksamkeit testen, ohne jede Begegnung in eine zehnminütige Steuererklärung zu verwandeln.

 

Eine besondere Rolle spielt die Rangfolge der Tagesbefehle. Spätere Anweisungen können frühere Regeln überschreiben. Was zunächst wie ein Fehler des Spiels aussieht, ist deshalb manchmal nur ein übersehener Ausnahmefall. Zum Start waren einige Formulierungen dennoch unnötig unklar.

 

Alawar hat Kamera- und Rorschach-Erklärungen inzwischen überarbeitet, Farben bei Bluttests besser unterscheidbar gemacht und die Berichte der Isolierstation verständlicher formuliert.

 

Für erfahrene Grenzbeamte könnte der Dienst trotzdem etwas zu gemütlich ausfallen. Häufig sind nur drei oder vier Dinge gleichzeitig zu beachten, und viele Anomalien sind deutlich erkennbar. Ein Endlosmodus und einstellbare Schwierigkeitsgrade sind angekündigt, gehören derzeit aber noch nicht zum Spiel.

DIE WAHRHEIT LIEGT EIN PAAR STOCKWERKE TIEFER

Die größte Stärke des Spiels steckt schon in seiner Ausgangsidee. Der immer gleiche Kontrollraum wirkt dank kleiner Veränderungen, seltsamer Besucher und neuer Geräte selten völlig statisch. Detaillierte Pixelgrafik, flüssige Animationen und kurze Slapstick-Szenen vor den Schichten treffen auf Kreaturen, Körperveränderungen und Bilder, die besser in einer geschwärzten Akte geblieben wären. 

 

So entsteht eine Mischung aus *Akte X*, *Men in Black* und kosmischem Bürohorror, die einen angenehm eigenen Ton findet.

 

Auch der Tonfall passt. *Security 51* kann unheimlich werden, nimmt seine Welt aber nicht durchgehend ernst. Zwischen bedrohlichen Anomalien und drohenden Katastrophen bleibt Platz für absurde Bemerkungen und visuelle Gags. 

 

Der zehn Stücke umfassende Soundtrack von Deallry begleitet den Dienst, ohne den Kontrollraum permanent zu überladen. Eine vollständige Sprachausgabe gibt es nicht; die Figuren verständigen sich mit kurzen Fantasielauten, während sämtliche wichtigen Texte auch auf Deutsch vorliegen.

 

Weniger stark wirkt nach übereinstimmenden Berichten die eigentliche Figurenzeichnung. Viele Beschäftigte bleiben austauschbare Prüffälle, Dialoge wiederholen sich und selbst harte Entscheidungen entwickeln nur wenig persönliches Gewicht. Die Zeitung hätte die Folgen unserer Arbeit sichtbar machen können, dient aber häufig eher als humorvolle Hintergrunddekoration.

WELTRETTER MIT STEMPELKARTE

Zwischen den Schichten verwalten wir Lohn, Hunger und geistige Verfassung. Essen, Unterhaltung und Verbesserungen für die Prüfgeräte kosten Geld. Verdächtige können in der Isolierstation untersucht werden, während Forschungsprojekte und Einsätze in der Stadt auf die aktuelle Bedrohung reagieren. 

 

So wächst der Aufgabenbereich vom einfachen Ausweiskontrollpunkt bis zur Rettung der Menschheit – selbstverständlich ohne entsprechende Gehaltserhöhung.

 

Der erste Durchlauf führt ungefähr bis Tag 30; der Vollspieltest von ShowGamer veranschlagt dafür etwa vier bis fünf Stunden. Danach öffnet sich eine Zeitleiste, über die frühere Knotenpunkte erneut besucht und alternative Krisenpfade eingeschlagen werden können. Mehrere Enden, zufällig zusammengestellte Besucher und 68 Steam-Erfolge liefern grundsätzlich Gründe für weitere Schichten.

 

Der zusätzliche Unterbau klingt allerdings tiefer, als er sich offenbar immer auswirkt. Hunger und geistige Verfassung lassen sich vergleichsweise leicht auffüllen, teure Geräteverbesserungen sind nicht zwingend nötig und verschiedene Weltuntergangsszenarien verändern den eigentlichen Prüfalltag nur begrenzt. 

 

Auch die Abzweigungen der Zeitleiste führen wieder durch viele bekannte Schichten. Wer vor allem die erste Überraschung und die neuen Werkzeuge genießt, könnte deshalb nach einem Durchlauf genug gesehen haben.

FAZIT: VERTRAUEN IST GUT, RÖNTGEN IST BESSER

*Security 51* besitzt eine hervorragende Grundidee. Aus der nüchternen Dokumentenprüfung wird Schritt für Schritt eine bizarre Suche nach Spionen, Infizierten und Wesen, die beim Betriebsausflug vermutlich nicht mitgezählt wurden. 

 

Die abwechslungsreichen Geräte, der zugängliche Ablauf und die charmante Pixelgrafik sorgen dafür, dass der erste Abstieg in die Area 51 schnell fesseln kann.

 

Ganz so tief wie der kilometerlange Aufzugsschacht reicht das Spiel jedoch nicht. Figuren und Dialoge bleiben blass, viele Entscheidungen haben wenig emotionales Gewicht und mehrere Nebensysteme wirken eher wie angedeutete Möglichkeiten als wie vollständig ausgearbeitete Mechaniken. Auch die Zeitleiste verspricht mehr Wiederspielwert, als die nur begrenzt veränderten Schichten tatsächlich liefern.

 

Trotzdem ist *Security 51* kein Fall für die Ablage. Wer das Kontrollprinzip von *Papers, Please* mag, aber lieber Knochen scannt als Einreisevisa sortiert, bekommt einen kompakten, zugänglichen und herrlich schrägen Genrebeitrag. Für einen unterhaltsamen Abend öffnet sich der Aufzug gern. 

 

Wer dagegen eine tiefgehende Geschichte, schwere moralische Entscheidungen oder dauerhaft steigenden Prüfungsdruck erwartet, sollte seine Sicherheitsfreigabe mit etwas Vorsicht unterschreiben.
 

 

 

🪄 Bewertung

Note: 3 (Befriedigend)

 

🎮 **SPIELPRINZIP & PRÜFMECHANIKEN: 2 (GUT)**  
Die vielen Untersuchungsgeräte und täglich wechselnden Regeln halten den Kontrollalltag abwechslungsreich. Erfahrenen Genre-Fans könnte der Ablauf jedoch zu leicht bleiben.

 

🖱️ **BEDIENUNG & REGELKLARHEIT: 3 (BEFRIEDIGEND)**  
Der Arbeitsablauf ist schnell verstanden und wurde nach dem Start spürbar verbessert. Prioritätsregeln und einzelne Prüfungen können trotzdem für unnötige Verwirrung sorgen.

 

🎨 **GRAFIK & PRÄSENTATION: 2 (GUT)**  

Die detaillierte Pixelgrafik, flüssigen Animationen und kleinen visuellen Gags geben dem Kontrollraum viel Persönlichkeit.

 

👽 **SOUND & ATMOSPHÄRE: 2 (GUT)**  

Kosmischer Horror, schwarzer Humor und ein passender Soundtrack erzeugen eine herrlich schräge Area-51-Stimmung. Die Fantasielaute der Figuren sind Geschmackssache.

 

📖 **HANDLUNG & ENTSCHEIDUNGEN: 4 (AUSREICHEND)**  Die verschiedenen Bedrohungen liefern einen reizvollen Rahmen. Blasse Figuren und nur begrenzt spürbare Konsequenzen verschenken jedoch viel erzählerisches Potenzial.

 

📦 **UMFANG & WIEDERSPIELWERT: 3 (BEFRIEDIGEND)**  
Rund 30 Spieltage, mehrere Pfade und zahlreiche Erfolge bieten Beschäftigung. Alternative Durchläufe wiederholen allerdings viele bekannte Aufgaben; Endlosmodus und Schwierigkeitsoptionen fehlen derzeit noch.

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