Geppy-X (PS5)
(Review)
Veröffentlichung: 16. Juli 2026
Entwickler: Implicit Conversions
Plattformen: PlayStation 4, PlayStation 5, Nintendo Switch, Xbox Series, Steam
Genres: Actionspiel, Shoot 'em up
Herausgeber: Bliss Brain
Getestet: PlayStation 5
70s-style Robot Anime Geppy-X (PS5) im Test – Ein vergessenes Anime-Juwel kehrt zurück
Riesige Roboter, überdrehter Humor und klassische Shoot-’em-up-Action: 70s-style Robot Anime Geppy-X gehört zu den ungewöhnlichsten Spielen der ersten PlayStation-Generation.
Mehr als ein Vierteljahrhundert später feiert der einst Japan vorbehaltene Mecha-Shooter sein weltweites Comeback. Doch kann Geppy-X heute noch begeistern – oder lebt die Neuauflage ausschließlich von ihrem Kultstatus?
Ein Stück japanischer Videospielgeschichte
Als Geppy-X 1999 für die erste PlayStation erschien, blieb das Spiel dem westlichen Publikum offiziell vorenthalten. Während Reihen wie Gradius und R-Type längst internationale Bekanntheit genossen, entwickelte sich Geppy-X vor allem unter Import-Fans zum Geheimtipp.
Denn Geppy-X ist kein gewöhnliches Shoot ’em up. Das Spiel verbindet klassische horizontale 2D-Action mit einer aufwendig inszenierten, fiktiven Roboter-Anime-Serie.
Jede Etappe ist wie eine eigene Fernsehepisode aufgebaut – inklusive Vorspann, Zwischensequenzen, Werbeunterbrechungen, Abspann und Vorschau auf die nächste Folge. Humorvolle Dialoge und bewusst überzeichnete Figuren treffen auf traditionelle Shooter-Mechaniken.
Auch die Handlung bedient mit voller Absicht die großen Mecha-Klischees. Im Jahr 197X greift das Kosmische Dämonenimperium die Erde mit seinen riesigen Space Beasts an. Die letzte Hoffnung der Menschheit ist Geppy-X: ein von drei Piloten gesteuerter Kampfroboter, der sich aus einzelnen Maschinen zusammensetzt und während der Gefechte seine Form wechseln kann.
Was zunächst wie eine reine Parodie wirkt, entpuppt sich schnell als liebevolle Hommage. Geppy-X nimmt die Eigenheiten alter Roboter-Anime gern aufs Korn, macht sich über seine Vorbilder aber nie lustig. Hinter dem überdrehten Pathos steckt eine ehrliche Begeisterung für das Genre. Diese Mischung war 1999 ungewöhnlich und fühlt sich auch heute noch erstaunlich frisch an.
Drei Formen zwischen Tempo, Balance und Feuerkraft
Spielerisch orientiert sich Geppy-X an klassischen horizontal scrollenden Shoot ’em ups. Wir bewegen den gewaltigen Roboter durch unterschiedliche Gebiete, weichen gegnerischem Beschuss aus und nehmen immer größere Angriffswellen ins Visier.
Für zusätzliche Tiefe sorgt der jederzeit mögliche Wechsel zwischen drei Kampfformen: einer ausgewogenen Variante sowie zwei Formen für mehr Geschwindigkeit oder besonders hohe Angriffskraft. Eigene Waffen und Spezialangriffe machen den Wechsel auch spielerisch sinnvoll.
Das Leveldesign hält neue Gegnerformationen und Hindernisse bereit, während vor allem die großen Bosskämpfe für Höhepunkte sorgen. Hier reichen Dauerfeuer und eine bevorzugte Kampfform nicht immer aus.
Angriffsmuster müssen erkannt, Lücken genutzt und die Fähigkeiten der drei Varianten gezielt eingesetzt werden. Das motivierte mich im Test regelmäßig zu einem weiteren Versuch.
Auch die Steuerung macht auf der PS5 eine gute Figur. Bewegungen und Waffenwechsel werden zuverlässig umgesetzt, ohne dass der Roboter seine glaubhafte Schwere verliert. Geppy-X reagiert gemächlicher als moderne Bullet-Hell-Shooter, entwickelt nach kurzer Eingewöhnung aber einen kontrollierten Spielfluss.
Wenn ein Shoot ’em up zur Anime-Serie wird
Spielerisch und grafisch zeigt Geppy-X unverkennbar seine Herkunft aus der ersten PlayStation-Generation. Figuren, Effekte und Hintergründe wirken stellenweise grob, besitzen mit ihren markanten Robotern und großen Explosionen aber weiterhin viel Charakter. Die häufigen Anime-Szenen unterbrechen zwar regelmäßig die Action, bilden jedoch das eigentliche Herzstück des Spiels.
Für die ursprüngliche Veröffentlichung entstanden rund 8.000 handgezeichnete Einzelbilder, die auf vier CD-ROMs untergebracht werden mussten. Die Neuauflage nutzt neu digitalisierte Aufnahmen der Betacam-Bänder und zeigt die restaurierten Szenen mit klareren Linien, kräftigeren Farben und den vorgesehenen 24 Bildern pro Sekunde. Auf Wunsch lässt sich jederzeit auf die ursprünglichen PlayStation-Filmsequenzen umschalten.
Beim Zuschauen kam bei mir eine ganz bestimmte Erinnerung hoch: In den späten 80ern und frühen 90ern stand am Wochenende schon früh der Röhrenfernseher an, obwohl im Haus sonst kaum jemand wach war.
Viel Auswahl gab es mit Antenne nicht – ARD, ZDF, WDR, Sat.1 und RTL, das war es bei uns gefühlt schon. Also saß man um sechs oder sieben Uhr davor und wartete auf die Zeichentrickfilme. Ob wir das damals Anime, Cartoon oder einfach Zeichentrick nannten, war völlig egal. Mit seinen Vorspännen, Verwandlungen und fingierten Werbespots weckt Geppy-X genau dieses Gefühl – nur dass wir diesmal selbst mitspielen dürfen.
Die japanische Sprachausgabe, eingängige Titellieder und energiegeladene Kompositionen passen hervorragend zum überzeichneten Ton. Dank deutscher Untertitel erschließen sich nun auch ohne Japanischkenntnisse der Humor und die vielen kleinen Anspielungen.
Eine Neuauflage mit Respekt vor dem Original
Bei der aktuellen Fassung handelt es sich nicht um eine einfache Veröffentlichung im PlayStation-Classics-Katalog, sondern um eine eigenständige Remaster-Version. Die PS5-Fassung lief während des Tests stabil und zuverlässig.
Speicherstände, Rückspulfunktion und verschiedene Schwierigkeitsstufen machen das Spiel zugänglicher, können von Puristen aber einfach ignoriert werden.
Eine Schnellfeueroption schont die Finger. Hinzu kommen CRT-Filter, ein digitales Handbuch und Trophäen. Das sind keine spektakulären Neuerungen, aber genau die Ergänzungen, die einem solchen Klassiker guttun.
Nach Abschluss der Hauptgeschichte werden sechs zusätzliche Modi freigeschaltet, darunter ein Boss-Rush, alternative Handlungsverläufe und experimentelle Episodenvarianten.
Wer nur die Geschichte erleben möchte, kann entspannt durch die Kampagne spielen. Wer sämtliche Extras und Bosskämpfe ohne Hilfen meistern will, wird deutlich länger beschäftigt.
Fazit – Mehr als nur Nostalgie
Ich bin ohne große Erwartungen in den Test gestartet. Gerechnet hatte ich mit einem soliden, aber sichtbar gealterten Shoot ’em up, dessen heutige Bedeutung vor allem auf seiner Seltenheit beruht. Stattdessen hat mich Geppy-X schon nach kurzer Zeit überrascht.
Vor allem die Anime-Präsentation verleiht dem Spiel eine Persönlichkeit, die selbst heute nur selten zu finden ist. Anfangs musste ich mich an das gemächlichere Tempo und die häufigen Unterbrechungen gewöhnen. Je länger ich spielte, desto besser funktionierte für mich jedoch die Mischung aus Action, Humor und maßlos übertriebenem Roboter-Pathos.
Die Bosskämpfe motivierten mich immer wieder zu einem weiteren Versuch. Mit jeder Runde lernte ich die Angriffsmuster besser kennen, setzte die drei Kampfformen gezielter ein und entwickelte den Ehrgeiz, möglichst fehlerfrei durch die Level zu kommen. Die modernen Hilfsfunktionen erleichtern den Einstieg, ohne erfahrene Spieler zu ihrer Verwendung zu zwingen.
Natürlich merkt man Geppy-X sein Alter an. Das Spieltempo, die Levelgrafik und die grundlegenden Shooter-Mechaniken stammen unverkennbar aus den späten 1990er-Jahren. Wer ausschließlich schnelle und unterbrechungsfreie Arcade-Action sucht, könnte sich zudem an den langen Anime-Passagen stören. Genau diese ungewöhnliche Verbindung ist aber der Grund, weshalb Geppy-X bis heute aus der Masse heraussticht.
Die Neuauflage behandelt das Ausgangsmaterial mit dem nötigen Respekt. Restaurierte Anime-Szenen, deutsche Untertitel und sinnvolle Komfortfunktionen machen den ehemaligen Japan-Exoten erstmals einem breiten Publikum zugänglich, ohne seinen ursprünglichen Charakter glattzubügeln.
70s-style Robot Anime Geppy-X ist deshalb mehr als eine kuriose Wiederveröffentlichung. Der Titel verbindet klassische Shoot-’em-up-Action mit einer charmanten, aufwendig produzierten Anime-Serie und bleibt damit auch über 25 Jahre nach seinem ursprünglichen Erscheinen unverwechselbar.
Fans klassischer Mecha-Anime, traditioneller Shooter und außergewöhnlicher PlayStation-Raritäten sollten Geppy-X unbedingt eine Chance geben.
🪄 Bewertung
Note: 2 + (gut +)
🎮 Gameplay & Formwechsel: 2 – zugängliche Shooter-Action mit drei sinnvoll unterscheidbaren Kampfformen
👾 Bosskämpfe: 1–2 – groß inszeniert, abwechslungsreich und angenehm motivierend
🎬 Anime-Inszenierung: 1 – außergewöhnlich aufwendig, charmant und bis heute nahezu einzigartig
🖥️ Grafik & Restaurierung: 2 – sichtbar gealterte Spielgrafik trifft auf hervorragend wiederhergestellte Anime-Sequenzen
🎧 Sound & Atmosphäre: 1–2 – starke japanische Sprecher, eingängige Titellieder und authentischer Mecha-Anime-Charme
🕹️ Bedienung & Komfort: 1–2 – präzise Steuerung, Rückspulfunktion, Speicherstände und sinnvolle Anpassungsmöglichkeiten
📦 Umfang & Langzeitmotivation: 2 – zusätzliche Modi und alternative Inhalte sorgen für einen überzeugenden Wiederspielwert





