Fernbus Simulator & 
England DLC Review

Veröffentlichung: 03.September 2026

 

Entwickler: TML-Studios
Herausgeber: Aerosoft
Genre: Simulation, Bussimulation
Testplattform: Windows-PC über Steam – gespielt mit Xbox-Controller


Erweiterung: England-DLC

 

Heute sitzen wir vorne

Stellen wir uns die Abfahrt einmal vor: Die Koffer sind verstaut, die Fahrgäste sitzen und hinten möchte vermutlich schon jemand wissen, ob wir bald da sind. Wir haben Gelsenkirchen noch nicht verlassen. 

 

Vorbei an der Arena geht es Richtung Autobahn, wo der erste Stau aus unserer Fernreise kurzerhand eine Standbesichtigung macht. Einige Stunden und eine Kanalüberquerung später heißt es dann endlich: Welcome to England. Jetzt bitte nicht aus Gewohnheit rechts weiterfahren.

 

So ungefähr sieht die Reise aus, die wir im Kopf haben, wenn ein Spiel namens Fernbus Simulator auf dem Schreibtisch landet. TML-Studios und Aerosoft versprechen den Alltag hinter dem Lenkrad eines Reisebusses – samt Fahrgästen, Fahrplan und der Verantwortung für ein ziemlich langes Fahrzeug.

 

Für unseren Test wurden uns das Hauptspiel und die England-Erweiterung zur Verfügung gestellt. Wir betrachten deshalb das Gesamtpaket: Was macht den virtuellen Busfahreralltag interessant, und wie sinnvoll ergänzt der Ausflug auf die Insel das bestehende Angebot?

Alle einsteigen – Der Bus fährt sich schließlich nicht von selbst

Bevor die große Reise beginnt, wartet erst einmal Arbeit. Fahrgäste einchecken, Tickets verkaufen und den Bus für die Abfahrt vorbereiten: Wer einfach nur den Motor starten möchte, merkt schnell, dass hinter einer Fernbusverbindung mehr steckt als ein grünes Fahrzeug mit WLAN-Aufkleber.

 

Je nach gewähltem Modus übernimmt man mehr Handgriffe selbst oder lässt sich Aufgaben abnehmen. Frühere Tests beschreiben unter anderem die Bedienung von Gepäckfächern, Bord-WLAN und Toilettenfreigabe. Letztere dürfte spätestens dann interessant werden, wenn die nächste Raststätte noch etwas auf sich warten lässt.

 

Das Hauptspiel bietet ein deutsches Streckennetz mit mehr als 40 Städten und nachgebildeten MAN-Reisebussen. Die Entfernungen sind verkürzt, damit aus einer virtuellen Tour nicht gleich eine vollständige Arbeitsschicht wird. 

 

Schließlich wollen wir nach Feierabend Bus fahren und nicht anschließend noch einen Urlaubsantrag für die Rückreise stellen.

 

Gerade die Verbindung aus Vorbereitung und anschließender Fahrt macht das Konzept interessant. Man arbeitet nicht bloß eine Strecke ab, sondern übernimmt einen kleinen Berufsalltag. Das verlangt allerdings Freude an wiederkehrenden Abläufen. Wer schon bei der zweiten Ticketkontrolle innerlich kündigt, wird auch mit einer größeren Karte kaum glücklicher.

Bitte nicht drängeln – Hier fährt die Entspannung mit

Auf der Straße bestimmt das Fahrzeug den Rhythmus. Ein Reisebus braucht Platz, vorausschauendes Fahren und etwas mehr Respekt vor engen Kurven. Wer beim Abbiegen nur auf die eigene Sitzposition achtet, hat gedanklich vermutlich noch den Kleinwagen unterm Hintern. Der Rest des Busses möchte aber ebenfalls um die Ecke.

 

Den eigentlichen Reiz bildet das Unterwegssein: die nächste Ausfahrt im Blick, eine weitere Stadt auf dem Fahrplan und dazwischen Kilometer, auf denen kein großes Spektakel passieren muss. Auch der damalige Test des Standard hebt diese entspannte Seite des Spiels hervor.

 

Das klingt für manche nach Urlaub und für andere nach einer ausgesprochen fragwürdigen Freizeitentscheidung. Beides ist nachvollziehbar. Eine Fernbussimulation lebt davon, dass bereits das ordentliche Absolvieren einer Tour zufriedenstellt. Wer dagegen alle fünf Minuten eine Überraschung braucht, wird irgendwann sehnsüchtig auf den nächsten Rastplatz schauen.

 

Damit steckt die größte Stärke zugleich in einer klaren Grenze: Der Spielablauf besitzt viel Routine. Neue Strecken bringen andere Ansichten, verändern aber nicht ständig die Tätigkeit. Ob daraus angenehme Entspannung oder gepflegte Langeweile wird, hängt stark davon ab, wie gern man diesen virtuellen Arbeitsplatz einnimmt.

England – Links fahren, rechts staunen

Mit der England-Erweiterung bekommt die Routenplanung zusätzliche Ziele. London, Birmingham, Manchester, Liverpool und Oxford gehören zu den insgesamt 15 Städten. Dazu kommen laut Anbieter mehr als 60 charakteristische Gebäude und Sehenswürdigkeiten. Es gibt also einiges zu entdecken – wobei der Blick auf die Straße weiterhin zum Stellenprofil gehört. Big Ben zahlt schließlich keinen abgefahrenen Außenspiegel.

 

Der Linksverkehr sorgt für eine passende Umstellung. Plötzlich müssen gewohnte Abläufe beim Abbiegen und Einordnen neu sortiert werden. Der Gedanke „Hier fahren ja alle falsch!“ hilft dabei nur begrenzt. Besonders dann, wenn ausgerechnet der eigene Bus die Ausnahme bildet.

 

Die Verbindung zum Festland erfolgt per Fähre zwischen Bremerhaven und Dover. Alternativ lässt sich die Zugverbindung zwischen Calais und Folkestone nutzen, für die allerdings zusätzlich das Frankreich-DLC erforderlich ist. Wer nur Hauptspiel und England besitzt, nimmt deshalb den Seeweg.

 

Eine weitere Paketgrenze sollte man kennen: Der parallel veröffentlichte Tourism W410 ist nicht automatisch Teil der England-Erweiterung. Er wird separat oder in einem gemeinsamen Bündel angeboten. Neue Karte bedeutet hier also nicht automatisch neuer Bus.

 

Inhaltlich ist England vor allem Nachschub für Spieler, die bereits gern unterwegs sind. Die Erweiterung liefert neue Reiseanlässe und die Umgewöhnung an eine andere Verkehrsseite. Das grundlegende Spielprinzip bleibt jedoch bestehen. Wer bislang keine Lust auf Fernbusfahren hatte, wird nicht allein durch eine englische Ortstafel zum begeisterten Berufskraftfahrer.

Unter der Motorhaube – Nicht jeden alten Mangel weiterfahren

Beim Fernbus Simulator lohnt sich ein Blick auf das Datum älterer Tests. Die damalige Konsolenfassung musste deutliche Kritik einstecken: Controller Warriors lobte zwar die Busmodelle und die Lenkung, bemängelte aber unter anderem Umgebungsgestaltung, Grafikfehler und Verkehrs-KI. Dieser Bericht bezog sich auf eine PS5-Version von 2023.

 

Die alten Mängel heute einfach wieder aufzulisten, wäre ungefähr so hilfreich wie ein TÜV-Bericht vom Vorbesitzer.

Seitdem wurde weiter am Spiel gearbeitet. 

 

Mit Update 35 wurden unter anderem ein neues Himmel- und Wettersystem, Änderungen an der Fahrzeughaftung sowie Anpassungen an der Controllersteuerung angekündigt beziehungsweise dokumentiert. Damit betreffen die Überarbeitungen durchaus wichtige Bestandteile des Fahrerlebnisses. Eine Änderungsliste ersetzt allerdings noch keine Prüfung der aktuellen Fassung.

 

Beim Umfang lässt sich das Paket klarer einordnen. Deutschland als Grundlage und England als zusätzliches Reiseziel bieten reichlich Stoff für weitere Touren. Die entscheidende Einschränkung bleibt die Art der Abwechslung: Es wächst vor allem die Auswahl der Strecken. Die Arbeit hinter dem Lenkrad bleibt weitgehend dieselbe.

 

 

Für begeisterte Busfahrer ist das ein nachvollziehbarer Kaufgrund. Wer mehr spielerische Entwicklung sucht, sollte sich dagegen bewusst machen, dass auch hinter der nächsten Ausfahrt wieder eine Straße wartet. Überraschend eigentlich nur, wenn dort plötzlich keine wäre.

Fazit – Die nächste Fahrt darf kommen

Der Fernbus Simulator samt England-Erweiterung setzt auf eine besondere Art der Unterhaltung: vorbereiten, losfahren, aufmerksam bleiben und die Passagiere ans Ziel bringen. Das klingt unspektakulär, kann aber genau die richtige Beschäftigung sein, wenn man nach einem langen Tag einfach noch ein bisschen unterwegs sein möchte. Natürlich bequem vom eigenen Stuhl aus – irgendwo muss der Fortschritt ja bleiben.

 

England ergänzt dieses Konzept sinnvoll um neue Reiseziele und den Linksverkehr. Die Erweiterung bietet einen guten Anlass, wieder eine Route zusammenzustellen. Sie verändert allerdings nicht die grundsätzliche Ausrichtung. Aus langen Fahrten werden auch auf der Insel keine kurzen Abenteuer, und mehr Kilometer bedeuten nicht automatisch mehr Spieltiefe.

Die vorgesehene 3+ steht deshalb für ein solides Gesamtpaket mit klarer Zielgruppe. Wer den virtuellen Busfahreralltag mag, findet hier weitere Beschäftigung. Wer ständig neue Aufgaben und Überraschungen erwartet, könnte sich dagegen irgendwann fragen, wann endlich die Endhaltestelle kommt.

 

Und falls uns jemand unterwegs fragt, ob wir bald da sind: Ja. Nur noch diese Ausfahrt. Und der nächste Stau.

 

 

🪄 Bewertung

 

Note: 3+ ( befriediegend )

 

🎨 Grafik & Stil: 3 (Befriedigend)
Die Fahrzeugdarstellung und der Wiedererkennungswert der Reiseziele stehen im Mittelpunkt. Für die endgültige Einordnung muss die aktuelle England-Karte mit den älteren Gebieten verglichen werden.

 

🎮 Gameplay & Steuerung: 3+ (Befriedigend plus)
Ein klarer Berufsalltag mit unterschiedlichen Bedienungsoptionen. Der Reiz liegt im sicheren Fahren und den Abläufen rund um die Tour; deren Wiederholung gehört fest zum Konzept.

 

🎧 Sound & Atmosphäre: 3+ (Befriedigend plus)
Der Ansatz lebt vom Gefühl einer längeren Busreise. Die konkrete Soundwertung bleibt mit den Motorgeräuschen, Durchsagen und Umgebungsgeräuschen der Testfassung abzugleichen.

 

🕹️ Umfang & Abwechslung: 2− (Gut minus)
Hauptspiel und England bieten zahlreiche Ziele für die Routenplanung. Der zusätzliche Umfang ist vor allem geografischer Natur; weitere Fahrzeuge und manche Verbindungen benötigen separate Erweiterungen.

 

⏳ Langzeitmotivation: 3 (Befriedigend)
Wer gern Touren plant und fährt, findet viele Anlässe zum Weitermachen. Wer stärkere Veränderungen im Spielablauf benötigt, dürfte sich schneller sattgefahren haben.

 

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