Bergwerk A Mining Sim
Gamescom Preview
Veröffentlichung: Noch nicht angekündigt
Entwickler: Hindsight Studios
Plattformen: PC, PlayStation 5, Xbox Series X|S
Genre: Simulation, Management
Herausgeber: Aerosoft GmbH
Nachdem wir zuvor noch verschneite Pisten präpariert und eine Straße Schicht für Schicht aufgebaut hatten, hätte unser letzter Termin bei Aerosoft kaum passender ausfallen können.
Retro Aktiv sitzt in Gelsenkirchen, unweit der Arena auf Schalke und damit mitten in einer Stadt, deren Geschichte eng mit dem Steinkohlebergbau verbunden ist. Mit der Zeche Hugo und der Zeche Consolidation – im Revier meist nur Consol genannt – finden sich gleich zwei prägende ehemalige Bergbaustandorte in der Umgebung.
Das für BERGWERK – A Mining Sim verantwortliche Hindsight Studios kommt wiederum aus dem benachbarten Herten.
Beinahe nachbarschaftlich begaben wir uns deshalb in das fiktive Steinkohlerevier Grubental und gingen für unsere Leser unter Tage.
Die gezeigte Gamescom-Demo entsprach der öffentlich spielbaren Steam-Demo und konzentrierte sich vollständig auf die Arbeit unter Tage. Während der Präsentation sahen wir einige der dort eingesetzten Werkzeuge und Maschinen in Aktion.
Weitere Bestandteile der geplanten Vollversion wurden uns im Gespräch erläutert. Am Folgetag spielten wir dieselbe Demo am öffentlichen Messestand noch einmal kurz selbst an.
Mit dem Zug nach Grubental
Unsere Reise soll im fertigen Spiel mit einer Zugfahrt beginnen, die uns in das fiktive deutsche Steinkohlerevier Grubental bringt. Die Gamescom-Demo ließ diese Ankunft allerdings außen vor und führte uns ausschließlich unter Tage. Dort bewegten wir uns durchgehend aus der Ego-Perspektive durch das untertägige Streckennetz. Den ebenfalls angekündigten Bereich über Tage konnten wir noch nicht sehen.
Für die Vollversion ist vorgesehen, dass wir nicht nur selbst in das Bergwerk einfahren, sondern den gesamten Betrieb schrittweise aufbauen. Über Tage soll das Gelände aus einer Übersichtsperspektive geplant werden. Dort finden später unter anderem Verwaltungsgebäude, Lagerplätze und weitere Teile der Infrastruktur ihren Platz. Unter Tage bleiben wir dagegen unmittelbar am Geschehen, laufen selbst durch die Strecken und bedienen Werkzeuge sowie Maschinen.
Aufgaben und unterschiedliche Herausforderungen soll es ebenfalls geben. Wie viele davon geplant sind und wie sie genau aufgebaut werden, möchte Hindsight Studios erst im weiteren Verlauf der Entwicklung bekannt geben. Fest steht bislang, dass wir nicht in einen vollständig eingerichteten Betrieb einsteigen, sondern uns unsere Zeche nach und nach erarbeiten müssen.
Dazu gehört ein Wirtschaftssystem, bei dem der Kohlepreis nicht dauerhaft auf demselben Niveau bleiben soll. Steigende oder fallende Verkaufspreise könnten damit beeinflussen, wann wir unsere geförderte Kohle abgeben und wann wir lieber auf bessere Bedingungen warten.
Für größere Investitionen sollen Kredite aufgenommen werden können. Gebraucht- und Neukäufe unterscheiden sich laut offizieller Beschreibung bei ihren Kosten und ihrer Zuverlässigkeit. Verschleiß und mögliche Ausfälle machen außerdem eingeplante Wartungsfenster erforderlich.
Das klingt nach einer interessanten Verbindung aus unmittelbarer Arbeit unter Tage und langfristigem Unternehmensaufbau. Wie eng diese beiden Seiten am Ende ineinandergreifen, ließ sich anhand der begrenzten Demo noch nicht beurteilen. Das wirtschaftliche Fundament verspricht jedoch, dass hinter Spitzhacke, Maschinen und Kohleförderung mehr steckt als eine bloße Aneinanderreihung einzelner Arbeitsaufträge.
Von der Spitzhacke bis zur Sprengladung
In der Demo arbeiteten wir zunächst mit vergleichsweise einfachen Mitteln. Spitzhacke, Schaufel und Kohlesäcke vermittelten einen bewusst bodenständigen Anfang. Für das fertige Spiel ist eine umfangreiche Entwicklung der Ausrüstung angekündigt, die uns von dieser Handarbeit bis zu schweren Abbau- und Transportmaschinen führen soll.
Mehr als 15 fahrbare Großmaschinen sind für die Vollversion vorgesehen. Dazu kommen verschiedene Förder- und Versorgungsanlagen. Zum Fuhrpark gehören unter anderem Schneid- und Bohrgeräte sowie Grubenlokomotiven. Die Maschinen werden nicht nur aus sicherer Entfernung angewiesen: Unter Tage sollen wir selbst einsteigen, sie steuern und mit ihnen direkt im Streckennetz arbeiten.
Neue Bereiche müssen wir mit Werkzeugen und Maschinen erschließen. Gestein wird gelöst und das dabei anfallende Bergematerial anschließend aus dem Arbeitsbereich geschafft. Eine Teilschnittmaschine kann das Gestein mechanisch bearbeiten, während Bohrgeräte unter anderem Bohrungen für Sprengarbeiten oder Gebirgsanker vorbereiten. Abhängig von der jeweiligen Aufgabe kommen somit unterschiedliche Verfahren zum Einsatz.
Bei den Sprengarbeiten genügt es nicht, lediglich einige Ladungen abzulegen und anschließend einen großen roten Knopf zu drücken. Wie uns gezeigt beziehungsweise erläutert wurde, müssen die Sprengladungen angebracht und ihre elektrischen Zünder über entsprechende Zündleitungen zu einem Zündkreis verbunden werden. Erst danach folgt die eigentliche Zündung.
Beim Blick auf die vielen Leitungen witzelten wir, dass von der erhofften Detonation bei einer schlampigen Verbindung womöglich nur das müde Verpuffen eines nass gewordenen Zisselmännchens übrig bliebe. Dabei handelt es sich selbstverständlich um unseren eigenen Vergleich und nicht um eine angekündigte Fehlermeldung des Spiels.
Mit dem Freilegen neuer Strecken ist die Arbeit außerdem noch nicht abgeschlossen. Die entstandenen Hohlräume müssen durch passenden Streckenausbau und Gebirgsanker gesichert werden. Für die Vollversion ist eine simulierte Lastverteilung vorgesehen. Werden Streckenabschnitte nicht ausreichend abgestützt, können Teile des Bergwerks einstürzen. Der Ausbau dient damit nicht nur der Dekoration, sondern soll einen direkten Einfluss auf die Sicherheit des Betriebs besitzen.
Über den Umfang der Demo hinaus sind weitere Sicherheits- und Versorgungssysteme angekündigt. Dazu gehören die Stromversorgung, die Wasserhaltung, die Bewetterung sowie das Gas- und Staubmanagement. Die Wasserhaltung sorgt dafür, dass eindringendes Grubenwasser abgeführt wird, während die Bewetterung Frischluft zuführt und belastete Luft aus dem Bergwerk leitet. Warn- und Messsysteme sollen uns auf kritische Werte aufmerksam machen, bevor daraus eine ernsthafte Gefahr entsteht.
Aus der anfänglichen Handarbeit soll so Schritt für Schritt ein maschineller Betrieb entstehen. Mit jeder neu erschlossenen Strecke wächst allerdings auch die Herausforderung, Kohle, Bergematerial und benötigte Ausrüstung zuverlässig durch das immer größer werdende Bergwerk zu transportieren.
Wenn der Grubenzug selbst fährt
Die geförderte Kohle gelangt schließlich nicht von allein ans Tageslicht. Für das fertige Spiel sind miteinander verbundene Transportwege aus Förderbändern, Schienensystemen, Schachtförderanlagen und Lastwagen vorgesehen. Je größer der Betrieb wird, desto wichtiger dürfte eine durchdachte Logistik werden.
Während unserer Präsentation wurde uns das Schienensystem genauer gezeigt. Auf den Gleisen verkehrte ein Grubenzug zwischen verschiedenen Punkten und konnte dabei unterschiedliche Weichen nehmen. Die Gleise und Abzweigungen sollen von uns selbst geplant werden. Gleichzeitig lässt sich die Grubenlokomotive eigenhändig steuern oder später auf einer festgelegten Route automatisch fahren.
Am Beispiel dieses Schienensystems wurde uns außerdem ein Wenn-dann-Prinzip erläutert. Vereinfacht ausgedrückt soll eine festgelegte Bedingung eine dazugehörige Aktion auslösen können. Auf diese Weise könnte ein Grubenzug auf bestimmte Situationen reagieren und anschließend seine Fahrt über die passende Strecke fortsetzen. Wie frei sich diese Regeln konfigurieren lassen und ob sie auch außerhalb des Bahnverkehrs Verwendung finden, blieb bei der frühen Vorführung noch offen.
Bei der Idee einer mit dem Betrieb wachsenden und zunehmend automatisierten Förderkette erinnerte man uns in diesem Punkt an Satisfactory. Damit möchte man BERGWERK allerdings nicht zu einer frei programmierbaren Fabriksimulation erklären. Der Vergleich bezieht sich ausschließlich darauf, wiederkehrende Transportwege zu verknüpfen und Abläufe nach und nach zu automatisieren. Schließlich möchte man bei einem ausgedehnten Streckennetz nicht jeden einzelnen Grubenzug dauerhaft selbst von einem Ende des Bergwerks zum anderen fahren.
Während unseres Termins wurde uns mitgeteilt, dass die Entwicklung im Mai 2025 begonnen habe. Als grobe Zielmarke nannte man uns das Jahr 2027. Öffentlich führen Hindsight Studios, Aerosoft und Steam die Veröffentlichung weiterhin ohne konkreten Termin. Das Team hat somit noch einiges an Arbeit vor sich, bevor sämtliche angekündigten Systeme zu einem vollständigen Bergbaubetrieb zusammengeführt werden.
Zum Abschluss unseres Gesprächs kamen wir beim Thema Gasüberwachung auf die Kanarienvögel zu sprechen, die seit dem späten 19. Jahrhundert in manchen Kohlegruben insbesondere als Frühwarnsystem für Kohlenmonoxid eingesetzt wurden. Die Tiere reagierten bereits auf geringe Mengen des geruchlosen Gases und warnten die Bergleute dadurch früher vor der Gefahr.
Auf unseren humorvollen Hinweis wurde uns ebenso scherzhaft verraten, dass im Quellcode bereits ein Kanarienvogel existiere. Damit war unsere Idee für ein mögliches Easter Egg geboren: ein Poster, ein Logo oder eine andere augenzwinkernde Anspielung, durch die der digitale Vogel doch noch seinen Platz in Grubental finden könnte – selbstverständlich, ohne dafür einen echten Kanarienvogel unter Tage schicken zu müssen.
Die Demo zeigte lediglich einen kleinen Ausschnitt des angekündigten Gesamtkonzepts. Die unmittelbare Arbeit unter Tage vermittelte aber bereits einen greifbaren ersten Eindruck davon, wohin die Reise gehen soll: von Spitzhacke und Kohlesack über schwere Maschinen bis zu einem wirtschaftlich geführten und zunehmend automatisierten Bergbaubetrieb.
BERGWERK – A Mining Sim dürfte all jene ansprechen, die den Bergbau bislang hauptsächlich aus Erzählungen, Museen oder stillgelegten Zechen kennen. Ob all seine Systeme am Ende sauber ineinandergreifen, muss eine spätere Fassung zeigen.
Bis dahin heißt es für uns, etwas Geduld zu bewahren.
Glück auf!



