Agent 64 Spies Never Die Review
Veröffentlichung: 11. August 2026
Entwickler: Replicant D6
Plattformen: Windows-PC über Steam
Genres: Ego-Shooter, Actionspiel, Indie-Spiel
Herausgeber: Replicant D6
VIER CONTROLLER, EINE RÖHRE UND KEIN BISSCHEN REUE
Hand aufs Herz: Wer Ende der Neunziger mit Freunden vor einem Nintendo 64 saß, kennt drei unumstößliche Wahrheiten. Erstens: Auf den Bildschirm des Gegners zu schielen war natürlich streng verboten. Zweitens: Gemacht hat es trotzdem jeder. Und drittens: Noch eine Runde ging immer – selbst dann, wenn draußen längst die Sonne aufging.
Genau dieses Gefühl möchte Agent 64: Spies Never Die zurückholen. Nicht nur ein bisschen und nicht bloß mit ein paar kantigen Figuren. Das weitgehend allein entwickelte Spiel von Replicant D6 wirft sich mit Anlauf in die Arme von GoldenEye 007 und Perfect Dark. Aufgeklebte Gesichter, simple Menüs, großzügiges Auto-Aim, kurze Missionen und ein Fadenkreuz mit ausgeprägtem Eigenleben: Alles ist wieder da. Manchmal fühlt es sich tatsächlich so an, als hätte jemand auf einem Dachboden ein verschollenes N64-Modul gefunden und heimlich für den PC flottgemacht.
Seit dem 11. August 2026 ist Agent 64 für Windows-PC erhältlich. Mit 14 Missionen, drei Schwierigkeitsgraden, jeder Menge freischaltbarem Unsinn und einem umfangreichen Mehrspielerpaket steckt mehr darin, als man dem Spiel zunächst ansieht. Die große Frage lautet deshalb nicht nur: Fühlt sich das an wie damals? Sondern auch: Macht das heute noch genauso viel Spaß?
Unsere Wertung bezieht sich ausschließlich auf die gespielte Einzelspieler-Kampagne.
MEIN NAME IST WALTER. JOHN WALTER.
John Walter hat eigentlich Feierabend. Der erfahrene Agent sitzt in seinem Penthouse und spielt Nintendo 64, als bewaffnete Angreifer seine Ruhe stören. Hinter dem Überfall steckt Dominic Pulp, Walters totgeglaubter Erzfeind.
Die Geschichte folgt dem bekannten Muster alter Agentenfilme: geheime Organisationen, persönliche Rechnungen und ein Bösewicht mit großen Plänen. Besonders tief geht das nicht, doch als Rahmen für die Missionen reicht es aus. Erzählt wird mit kurzen Zwischensequenzen und Texttafeln. Eine deutsche Übersetzung gibt es derzeit nicht.
Die Kampagne besteht aus 14 Missionen.
Dabei besuchen wir unter anderem Hochhäuser, Museen, Katakomben, Nachtclubs und verschneite Stützpunkte. Neben vielen Feuergefechten müssen wir Computer hacken, Pläne stehlen, Geiseln befreien oder Missionsgeräte einsetzen. Schleichen ist ebenfalls möglich, funktioniert wegen der wechselhaften Gegnerreaktionen aber nicht immer zuverlässig.
Gut gelöst sind die drei Schwierigkeitsgrade Agent, Special Agent und 64 Agent. Auf höheren Stufen werden die Gegner gefährlicher. Gleichzeitig kommen neue Ziele und teilweise zusätzliche Bereiche hinzu. Wer eine Karte schon kennt, findet schneller die richtigen Wege und kann die Einsätze deutlich sicherer abschließen.
Ganz freiwillig sind diese Wiederholungen allerdings nicht. Für spätere Abschnitte werden sogenannte Cyphers benötigt. Wer nur auf dem leichtesten Schwierigkeitsgrad spielt, sammelt davon nicht genug und muss ältere Missionen erneut besuchen. Das sorgt zwar für mehr Spielzeit, kann aber auch bremsen.
Auch die Qualität der Karten schwankt. Einige Missionen sind kompakt und abwechslungsreich, andere bestehen aus vielen ähnlichen Gängen und Türen. Checkpoints gibt es nicht. Wer stirbt, beginnt den Einsatz von vorn. Da viele Missionen recht kurz sind, bleibt das meist erträglich – kurz vor dem Ausgang kann eine Niederlage trotzdem ordentlich ärgern.
DAS FADENKREUZ HAT SEINEN EIGENEN KOPF
Bei der Steuerung setzt Agent 64 auf das Spielgefühl klassischer Oldschool-Shooter. Wir haben ausschließlich mit Maus und Tastatur gespielt und kamen damit schnell zurecht. Sprinten, Springen und normales Ducken gibt es nicht. Das wirkt zunächst etwas eingeschränkt, passt aber zum eher ruhigen Spielablauf.
Eine großzügige Zielhilfe unterstützt uns in den Feuergefechten. Befindet sich eine Wache ungefähr in der Bildschirmmitte, zieht die Waffe leicht in ihre Richtung. Besonders in engen Räumen sorgt das für schnelle und unkomplizierte Kämpfe.
Das spielt sich weniger genau als ein moderner Shooter, passt aber gut zum Retro-Stil.
Das Waffenangebot reicht von Pistolen und Maschinenpistolen bis zur Schrotflinte und zum Raketenwerfer. Die Auswahl ist ausreichend, auch wenn sich die Waffen deutlicher voneinander unterscheiden könnten. Treffer werden gut sichtbar dargestellt und die Gegner gehen mit passenden Animationen zu Boden.
Etwas umständlich ist das Gadget-Inventar. Verkleidungen und Missionsgeräte müssen teilweise von Hand ausgewählt werden. Die aktuellen Missionsziele lassen sich während eines Einsatzes außerdem nur im Pausenmenü nachlesen.
Die KI verhält sich insgesamt passabel.
Wachen reagieren auf Schüsse, rollen zur Seite, suchen gelegentlich Deckung und folgen uns durch Türen. Manchmal brauchen sie etwas länger, erfüllen in den kurzen Feuergefechten aber ihren Zweck.
Technisch lief Agent 64 bei uns auch auf hohen Details flüssig und ohne Abstürze. Die bewusst einfache Retro-Grafik erfüllt ihren Zweck und passt gut zum restlichen Spiel.
AUFGEKLEBTE GESICHTER, ECHTER CHARME
Optisch erinnert Agent 64 sofort an die N64-Zeit. Die Figuren sind kantig, die Animationen bewusst steif und die Gesichter sehen aus, als wären Fotos auf einfache Polygonköpfe geklebt worden. Genau das macht einen großen Teil des Charmes aus.
Das Spiel übernimmt aber nicht nur die alten Grenzen.
Moderne Beleuchtung, saubere Kanten und hohe Auflösungen sorgen dafür, dass alles klar erkennbar bleibt. Dadurch sieht Agent 64 so aus, wie viele von uns alte N64-Spiele in Erinnerung haben. Wer den Röhrenfernseher vermisst, kann zusätzlich einen CRT-Filter einschalten.
Einige Räume wirken leer und manche Texturen oder Gegenstände wiederholen sich deutlich. Trotzdem passt das Gesamtbild. Die einfachen Figuren, die Trefferanimationen, zufallenden Türen, kurzen Kamerafahrten und schlichten Menüs ergeben zusammen einen glaubwürdigen Retro-Stil.
Auch die Musik passt gut dazu.
Dario Galizias Soundtrack wechselt zwischen ruhigen Schleichpassagen, lockerem Agenten-Groove und hektischer Musik während der Feuergefechte.
Dazu kommen kräftige Schüsse und bewusst übertriebene Schmerzenslaute. Eine Sprachausgabe gibt es nicht; sämtliche Dialoge erscheinen als Text.
Das passt zum Vorbild, lässt Geschichte und Figuren aber etwas blass wirken. Insgesamt wirkt die Präsentation trotzdem sehr stimmig.
DIE MISSION IST NOCH NICHT VORBEI
Auch nach dem Ende der Kampagne gibt es noch etwas zu entdecken. In den Missionen verstecken sich Masken, mit denen besondere Contracts freigeschaltet werden. Diese Varianten führen auf bekannte Karten zurück, verändern aber einzelne Ziele und Regeln. Mal läuft die Zeit gegen uns, mal steht der Nahkampf im Mittelpunkt.
So lassen sich einige Einsätze noch einmal auf eine etwas andere Art spielen.
Vor dem Start lohnt sich ein Blick auf die Missionsziele, da es keine Minikarte mit Wegmarkierungen gibt. Auch Schutzwesten sollte man besser nicht liegen lassen, denn die Gesundheit regeneriert sich nicht.
Laut offizieller Spielbeschreibung besitzt Agent 64 außerdem einen Mehrspielerbereich. Da wir diesen Teil nicht selbst gespielt haben, möchten wir an dieser Stelle nicht näher auf einzelne Modi oder Funktionen eingehen.
Wichtiger Hinweis: Den Mehrspielerbereich konnten wir mangels ausreichend verfügbarer Redakteure nicht selbst testen. Die kurze Erwähnung beruht ausschließlich auf offiziellen Angaben, Videos und weiteren Berichten. Der Multiplayer fließt deshalb nicht in unsere Wertung ein.
FAZIT: FAST WIE DAMALS – nur dass wir heute Rücken haben
Agent 64: Spies Never Die hat uns vor allem deshalb gefallen, weil es gar nicht erst versucht, wie ein moderner Hochglanz-Shooter aufzutreten. Das Spiel bleibt seiner Oldschool-Idee treu: kurze Missionen, klare Aufgaben, kantige Figuren und ein Spielablauf, an den man sich erst ein wenig gewöhnen muss.
Wenn eine Mission gut aufgebaut ist und wir den richtigen Weg gefunden haben, kommt ein schöner Spielfluss auf. Die Feuergefechte machen Spaß, der Low-Poly-Look besitzt viel Charme und die Musik sorgt für das passende Agenten-Flair. Auch die zusätzlichen Ziele und veränderten Missionsvarianten geben uns einen Grund, bekannte Schauplätze noch einmal zu besuchen.
Ganz rund ist der Einsatz allerdings nicht. Die Geschichte bleibt eher im Hintergrund, die KI erfüllt ihren Zweck und manche Karten bestehen aus zu vielen ähnlichen Gängen. Auch das Gadget-Inventar und die erzwungenen Wiederholungen können gelegentlich bremsen.
Trotzdem sind wir zufrieden aus dem Einsatz gegangen. Agent 64 erfindet den Oldschool-Shooter nicht neu, setzt seine Idee aber mit viel Liebe und einem klaren Blick für die N64-Zeit um.
Wer kurze Missionen, einfache Feuergefechte und einen bewusst altmodischen Stil mag, bekommt hier eine sympathische Zeitreise mit einigen Ecken und Kanten.
🪄 Bewertung
Note: 3 (Befriedigend)
🎮 Steuerung & Spielgefühl: 3 (Befriedigend)
Die Oldschool-Steuerung funktioniert mit Maus und Tastatur ordentlich. Fehlende Bewegungsmöglichkeiten und das umständliche Gadget-Inventar sorgen aber gelegentlich für kleine Stolperer.
🔫 Kämpfe & Missionen: 3+ (Befriedigend bis Gut)
Die Zielhilfe und das direkte Schießen sorgen für flotte Gefechte. Zusätzliche Missionsziele bringen Abwechslung, auch wenn sich die Waffen stärker voneinander unterscheiden könnten.
🗺️ Leveldesign & Abwechslung: 3 (Befriedigend)
Die Schauplätze bieten einige schöne Ideen und unterschiedliche Aufgaben. Manche Karten wirken jedoch verwinkelt oder bestehen aus zu vielen ähnlichen Gängen.
🎨 Grafik & Präsentation: 2 (Gut)
Der kantige N64-Look besitzt viel Charme und wird durch moderne Beleuchtung passend ergänzt. Einige Räume wirken zwar schlicht, das Gesamtbild bleibt aber stimmig.
🎵 Sound, Musik & Atmosphäre: 2- (Gut)
Die Musik und die Soundeffekte passen gut zum Agenten-Thema. Eine Sprachausgabe fehlt, wodurch Geschichte und Figuren etwas blass bleiben.
📖 Handlung & Inszenierung: 3- (Befriedigend)
Die einfache Agentengeschichte erfüllt ihren Zweck, bleibt aber eher Mittel zum Zweck und bietet nur wenige erinnerungswürdige Momente.
📦 Umfang & Wiederspielwert: 3 (Befriedigend)
Die 14 Missionen und zusätzlichen Varianten bieten genügend Beschäftigung. Ein Teil des Umfangs entsteht allerdings durch wiederholte Einsätze auf bereits bekannten Karten.
Der Mehrspielerbereich wurde nicht getestet und fließt deshalb nicht in die Gesamtwertung ein.
KAI GING VORAB AUF GEHEIMMISSION
Nachdem uns die Review-Keys erreicht hatten, erhielt auch unser freier Redakteur Kai Lietge einen der Spielschlüssel.
Aus eigener Initiative nahm er daraufhin ein knapp zwölfminütiges, englischsprachiges Let’s Play auf. Da Kai bereits GoldenEye 64 auf dem Nintendo 64 gespielt hat, merkt man ihm die Freude über die zahlreichen Anleihen durchaus an.
Auch auf Englisch vermittelt das Video einen informativen ersten Eindruck von Agent 64.






