Transport Fever 2 Review
Veröffentlichung: 11. Dezember 2019 ( PC)
Entwickler: Urban Games
Plattformen: PC, PlayStation 5, Xbox Series
Genres: Wirtschaftssimulation
Herausgeber: Good Shepherd Entertainment
Vorwort der Redaktion & Warum wir Transport Fever 2 jetzt testen
Nach der offiziellen Ankündigung von Transport Fever 3 im Mai 2025 wurden wir von Urban Games freundlicherweise mit einem Review-Key für den zweiten Teil versorgt. Die Ehre, diesen modernen Klassiker noch einmal frisch unter die Lupe zu nehmen, hatte unser redaktioneller Neuzugang Patrick Becker.
Viel Spaß beim Lesen wünscht euch Chefredakteur Benjamin – und freut euch schon jetzt darauf, denn wir werden in naher Zukunft definitiv mehr von Patrick auf RetroAktiv veröffentlichen.
Urban Games schickt dich in eine detailreiche Transport-Sandbox, in der du Produktionsketten knüpfst, Städte versorgst und Menschen von A nach B bringst — entspannt, hübsch und mit klarer Modellbahn-Note.
Visuelle Gestaltung & Perspektive
Optisch punktet Transport Fever 2 mit einer detailreichen Welt: realistische Fahrzeugmodelle, dynamische Landschaften und eine frei bewegliche Kamera, die z. B. in der Ego-Perspektive auch Züge und Busse aus nächster Nähe zeigt.
Der Spaß, eine neu gebaute Zugstrecke mit Tunnel und Brücken „live“ auszukundschaften, ist spürbar vorhanden.
Auch die Animationen in Bahnhöfen oder Terminals überzeugen — Passagiere sitzen nicht einfach starr herum, sondern ändern Sitzpositionen und wirken in kleinen Gruppen animiert. Das erzeugt ein belebtes Umfeld.
Damit gelingt der Aufbau einer Modell-Eisenbahn-Atmosphäre mit moderner Technik — ein klarer Pluspunkt.
Soundkulisse & Immersion
Die akustische Begleitung ist stimmig und eher dezent — bei einer Dampflok hört man z. B. das leise Schnauben, das Quietschen der Räder und das Bremsen, daneben zwitschern Vögel und allgemeine Umgebungsgeräusche tragen zur Stimmung bei.
Ebenso bietet die frei drehbare Kamera (mit Pfeiltasten oder W/S/A/D) einen angenehmen Grad an Bewegungsfreiheit, wenn man z. B. neben dem Zug entlangschreitet oder sich durch und neben ihn bewegt.
Damit unterstützt der Sound die Immersion deutlich — so sieht moderne Simulation aus, wenn sie sich Zeit nimmt.
Spielmodi & Struktur
Im Kampagnenmodus startet man im Jahr 1850 und bewegt sich bis etwa 1990 — thematisch historisch eingebettet und liebevoll inszeniert.
Allerdings wird dieser Teil als längeres Tutorial beschrieben: Die Geldmittel sind überwiegend großzügig, die Ziele leicht erreichbar, und gelegentliche Wartephasen (bei Missionen) trüben etwas den Spielfluss.
Im freien Spiel wählt man zwischen drei Klimazonen (gemäßigt, trocken, tropisch) – was nicht nur die Optik ändert, sondern auch die Herkunft der Fahrzeuge (Europa, Amerika, Asien). Allerdings lässt sich das teils anpassen. Produktionsstätten sind verständlich mit Symbolen dargestellt.
Im Gegensatz zu manchen anderen Wirtschaftssimulationen ist die Herausforderung relativ moderat: Städte ändern sich nach Versorgung kaum weiter, nicht alle Städte benötigen die gleichen Ressourcen zum Wachstum. Hier zeigt sich eine eher entspannte Herangehensweise.
Tiefe & Herausforderungen
Ein wichtiges Verkaufsargument: Passagiere können via Bus oder Tram zum Bahnhof und dort in Züge umsteigen – das verleiht dem Spiel mehr Tiefe als frühere Umsetzungen.
Allerdings fehlt einiges: Zum Beispiel die Möglichkeit, echte KI-Konkurrenz einzustellen – das macht das Spiel etwas zu einfach. Auch beim Signaleinstellen (z. B. Nebengleissignale) bietet das Vorgängerspiel mehr Feinheiten.
Diverse Testsstellen bemängeln, dass trotz der Menge an Fahrzeugen und Möglichkeiten gewisse wirtschaftliche oder strategische Tiefe fehlt.
So bleibt das Spiel ein starkes Aufbau- und Transportnetzwerk-Erlebnis, richtet sich aber nicht an Hardcore-Wirtschaftssim-Veteranen.
Modding, Landschaft & Langzeitmotivation
Besonders hervorzuheben: die große Vielfalt an Mods, die sich bequem über den im Hauptmenü integrierten Mod-Browser herunterladen lassen.
Laut Angaben des Entwicklers gibt es über 200 Fahrzeuge (Züge, Busse, Straßenbahnen, Lkw, Flugzeuge, Schiffe) sowie verschiedene Landschaftstypen (gemäßigt, trocken, tropisch) mit realistischer Modelllandschaft.
Die liebevoll gestalteten Landschaften, die Modul-Bahnhöfe und das breite Fahrzeugangebot sorgen für hohen Spielspaß – gerade wenn man es ruhiger angehen möchte.
Wer aber langfristig nach immer neuen Herausforderungen verlangt, könnte sich irgendwann unterfordert fühlen.
Fazit: Panzer, Lärm, Gänsehaut – so hat mich Battlefield 6 wiedergekriegt
Transport Fever 2 ist ein hervorragendes Aufbauspiel für Fans von Wirtschaftssimulationen und Verkehrsplanung. Es sieht gut aus, klingt gut, funktioniert gut — und das alles mit entspannter Tiefe.
Wer eine lockere Simulation spielen möchte, ohne Gegner, ohne Stress – und sich nur auf den Bau von Strecken konzentrieren will, ist hier genau richtig. Andererseits: Wer Herausforderungen, Konkurrenzdruck oder extrem komplexe Produktionsketten erwartet, wird eventuell enttäuscht sein, denn das System bleibt bewusst zugänglich.
🪄 Note: 2 (Gut)
🎨 Grafik: schlicht schön, gelegentlich etwas „hölzern“, aber stimmig
🎧 Sound & Sprecher: solide, unaufdringlich, gut umgesetzt
🕹️ Spielzeit: viele Stunden Aufbau- und Relax-Spass (bei Wunsch nach Herausforderung evtl. weniger)






